26 Gr E-MEX unerhört

25.02.2026 19:30 Uhr

unerHÖRT!

Spektralmusik

Heinrich-Lades-Halle, kleiner Saal, Erlangen

Rathausplatz 2, Erlangen

19 Uhr Einführung

Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk – BR Franken mitgeschnitten und auf BR-Klassik gesendet.

 

Im Paris der 1970er-Jahre kam mit der Spektralmusik eine völlig neue Art des Komponierens auf. Es entstanden Werke voller irisierender Klangfarben, in denen technische Herstellung und sinnliche Wahrnehmung zusammenkommen. Mittels aufwendiger Analyseverfahren und Frequenzberechnungen experimentierten Komponisten wie Gérard Grisey und Tristan Murail damit, Klänge in das Spektrum ihrer Teiltöne aufzufächern. Das legendäre IRCAM (Institut de recherche et coordination acoustique/musique) in Paris wurde in diesem Bereich zu einem Zentrum für Forschung und Aufführung.

„Ein Ton wird zur Klangfarbe, ein Akkord zum Spektralkomplex und ein Rhythmus zu einer Welle von unvorhersehbaren Dauern“, so Grisey, der mit dem ikonischen Werk „Talea“ ein Paradigma der Spektralmusik geschaffen hat und die Instrumente durch eine furiose Abfolge von Klangschattierungen mäandern lässt. Murail simuliert in „Le fou à pattes bleues“ die obertonreichen Gesänge des Blaufußtölpels, eines auf den Galapagos Inseln beheimateten Seevogels: „der einzige ‚spektrale’ Vogel der Schöpfung“, wie er sagt.

Diese Form der Klanggestaltung, die weite Räume eröffnet und vielschichtige Hörerfahrungen ermöglicht, haben auch Philippe Manoury, Kaija Saariaho und Ricardo Nillni aufgegriffen. Manoury spielt in „Michigan Trio“ ein klangliches „Spiel mit Stabilität und Instabilität, das von kurzen Lichtblitzen durchsetzt ist“; Saariaho reizt in „Cendres“ die jeweiligen akustischen Eigenheiten von Altflöte, Cello und Klavier bis ins Extrem aus und kreiert spannungsreiche Klangfelder; Nillni entwirft mit „Twist“ eine Suite, deren Tonmaterial diverse Prozesse durchläuft, am Ende jedoch zum Ausgangspunkt zurückkehrt, um quasi als Dauerloop aufs Neue zu beginnen.

Das auf zeitgenössische Musik spezialisierte E-MEX Ensemble präsentiert in verschiedenen Instrumentenkombinationen unterschiedliche Herangehensweisen an spektrales Komponieren in einem Programm, bei dem die Zuhörenden in faszinierende Klanglandschaften eintauchen.

Text: Florian Heurich

Programm
 
Ricardo Nillni

Twist I-V  (1998) für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier 
 
Kaija Saariaho
Cendres (1998) für Flöte, Violoncello und Klavier
 
Philippe Manoury
Michigan Trio (1992) für Violine, Klarinette und Klavier
 
Tristan Murail

Le fou à pattes bleues (1990) für Flöte und Klavier
 
Gérard Grisey
Talea (1986) für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier
 
E-MEX 
Christoph Maria Wagner, Dirigent
Evelin Degen, Flöte
Joachim Striepens, Klarinette
Kalina Kolarova, Violine
Burkart Zeller, Violoncello 
Martin von der Heydt, Klavier